Donnerstag, 3. Januar 2008

Frohes neues Jahr...

Jeder Start in ein neues Jahr bringt Neuerungen mit sich. Dieser etwa diesen Blog, eine neue Ausgabe des Magazins der deutschen Sherlock Holmes Gesellschaft und die Erkenntnis, dass es schon sehr erstaunlich ist, womit manche Menschen ihre Freizeit verbringen.
Nun ja, ich schreibe ja eben auch diese Zeilen nieder, anstatt mich den Unterlagen für meine bevorstehende BWL-Klausur zu beschäftigen, aber gut, lassen wir das. Ich nutze dieses Medium, um meine Gedanken zu einem Thema niederzuschreiben, das 99,96 Prozent der deutschsprachigen Weltbevölkerung vermutlich nicht interessiert und von den verbleibenden paar Menschen wahrscheinlich die Hälfte auf Kriegsfuß mit dem Internet steht und drei Viertel noch nie etwas von einem Blog gehört haben. Sollte das nicht der Fall sein, lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

Nun denn, was mich in dieser Woche besonders erstaunt hat, ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die Biografien über fiktive Figuren verfassen. Nein, das Erstaunliche ist eigentlich, dass sie den Großteil der Biografien selbst erfinden, was irgendwie im Widerspruch zu dem Sinn einer Biografie steht... oder?
Genaugenommen hat also irgendwer eine Biografie über Sherlock Holmes geschrieben. Zumindest nennt der Autor das so, denn der einzige, der wirklich eine Biografie über Holmes schreiben könnte, wäre Doyle gewesen und der ist ja bekanntlicherweise schon ein Weilchen tot. Also nennen wir es lieber eine Ansammlung von Schlussfolgerungen auf Grundlage des Kanons.
Da ich selbst ja erst sehr spät meine Affinität zu Holmes entdeckt habe, ist mir noch nie eine dieser Biografien in die Hände gefallen. Auch keine Sekundärliteratur oder Pastiches... ich glaube, das verwässert nur den Blick auf die Originalgeschichten. Pure Holmes sozusagen.
Dennoch war dieser bloße Bericht über die Biografie diese Zeilen wert.
Warum?
Tja, gibt es da draußen wohl einen Holmes-Leser, der nicht wenigstens ab und zu versucht, die Kunst der Deduktion anzuwenden? Mr Rennison, denn ich glaube, das war sein Name, versucht auch nichts anderes, als zwischen den Zeilen Doyles einstige Gedanken zu lesen. Keine Ahnung, was er da so deduziert und vielleicht mag mir jemand, der es gelesen hat, mitteilen, dass ich bloß längst feststehendes wiederhole, aber mir drängten sich nach dem Lesen der Kurzfassung ganz andere Fragen auf, als ob Holmes mal für den britischen Geheimdienst gearbeitet hat oder Watson nach Australien auswandern wollte (übrigens: wie kommt man überhaupt auf diese Idee?!). Von all dem wird doch im Kanon gar nichts erwähnt - oder mir ist es bisher entgangen. Entscheidender sind doch die Charakterzüge, denn sie spiegeln sich in jeder Handlung oder eben auch Nicht-Handlung wider.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wie oft Watson nun auch verheiratet gewesen sein mochte, zweimal, dreimal, warum hatte er keine Kinder? Ist das für die damalige Zeit nicht außergewöhnlich gewesen? Als ich diese Frage heute mit der treuen Seele, die stets meine abstrusen Gedanken klaglos zur Kenntnis nimmt, erörterte, meinte er nur: Vielleicht war Watson erfolglos... *g* nun ja, scheint wohl ganz so. Die Schussverletzung, die er aus dem Krieg mitbrachte, ist daran allerdings sicher nicht schuld. Bleibt noch der Typhus. Ist zufällig ein Arzt in der Nähe, der die Frage beantworten kann, ob man von Typhus impotent werden kann? Wikipedia gibt jedenfalls mal keinen Aufschluss darüber, aber bei all den anderen Symptomen, die auftreten können, würde es mich nicht wundern.
Natürlich war das 1890 kein Umstand, den man in eine Geschichte eingearbeitet hätte, aber immerhin eine halbwegs plausible Antwort auf die Frage nach den Kindern und warum Holmes seinen Freund immer dermaßen geringschätzig behandelt.
Abstruser Gedankengang? Ja, damit ist zu rechnen.
Watson hätte Holmes so etwas nie erzählt? In der Tat, aber wir reden ja eben auch von Holmes. Dem muss doch nie jemand etwas erzählen...

1 Kommentar:

Gerhard hat gesagt…

"Ich nutze dieses Medium, um meine Gedanken zu einem Thema niederzuschreiben, das 99,96 Prozent der deutschsprachigen Weltbevölkerung vermutlich nicht interessiert und von den verbleibenden paar Menschen wahrscheinlich die Hälfte auf Kriegsfuß mit dem Internet steht und drei Viertel noch nie etwas von einem Blog gehört haben." Du bist aber optimistisch :D